Wednesday, 03 February 2016

„Etwas zu beginnen erfordert Mut – etwas zu beenden noch mehr.“

Vor ein paar Tagen war es soweit: ich kündigte meinen verdammt guten und gut bezahlten Job bei einer der (wenn nicht sogar bei dem) renommiertesten Arbeitgeber in meiner Region. Ich verlasse ein Top Team, super tolle Kollegen und Chefs, wie man sie sich wünscht: unterstützend, fördernd und vertrauensvoll. Auch mein Job war stets fordernd und ich war recht frei in meinen Entscheidungen, wie ich Dinge angehe. Klingt nach: „Besser gehts nicht mehr.“ Oder?

Könnte, sollte, würde,  MACHEN!

Ich sage immer: Mich drückt nichts weg, mich zieht es weg. Ich will das Abenteuer StartUp ausprobieren. Ich will Vollgas geben und mich voll auf unsere Idee konzentrieren können. Ich will mein Traum leben. Ich will Gründer sein: arbeiten wie ich will, wo ich will, wann ich will und mit wem ich will. Für mich ist das ein Lifestyle. Aktiv sein. Sich einbringen. Selbstbestimmt Leben. Individuell sein (dürfen), nicht konform (gehen müssen). Nicht quatschen, machen. Eigener Herr sein. Neue Dinge ausprobieren, leidenschaftlich sein. Schnell sein und seinen eigenen Beitrag sehen. Arbeit und Leben in Einklang bringen (siehe auch Sinn der Arbeit) und für mich ganz persönlich: Meinen Traum Leben!

Vor den 30 wollte ich es probiert haben, mal was eigenes auf die Beine stellen. Und es wurde mir immer klarer, dass ich voll einsteigen will. Jetzt bin ich 28, bekomme 1 Jahr eine EXIST Förderung, d.h. so lang ist für ein monatliches Einkommen gesorgt. Ich bin überstolz, dass ich dank ein motivierendem Umfeld (Danke Michi, Anja, Sven, Sven, Tobi!), durch konsequentes Ziele setzen, durchhalten & wieder aufstehen, schwierige Entscheidungen, lesen & lernen und ausprobieren, an mir selbst arbeiten jetzt da stehe wo ich mir vorgenommen habe zu stehen: 100% an meiner eigenen Idee und meinem eigenen StartUp arbeiten zu dürfen.

Life is, what happens when you leave your comfort zone!

Einer der häufigsten Rückmeldungen, die ich bekomme, ist: „echt cool was du machst. Aber das wäre mir zu riskant“. Und ganz objektiv betrachtet, ist es sicherlich auch riskant. Als ich mit dem Gedanken zu spielen begonnen habe, wegen Selbstständigkeit zu kündigen, dachte ich das auch immer. Und ehrlich: ich sehe das Ganze weiterhin als riskant an.

Aber nach gefühlt 100 Büchern, die alle raten, man solle seine Komfortzone verlassen („Life is, what happens when you leave your comfort zone!“), mehreren positiven Vorbildern in meinem Umfeld und 100 mal worst-case durchdenken komme ich zu dem Schluss: So riskant ist das gar nicht. Denn …

It’s one thing to study war and another to live the warrior’s life.

…ich sehe es so: Das nächste Jahr ist gesichert. Und danach können wir mit unserem StartUp optimalerweise von den Einnahmen leben oder haben uns eine Anschlussfinanzierung gesichert. Oder es war einfach nur ein ereignisreiches, lehrreiches Jahr, das mir Erfahrungen gibt, die ich sonst wohl kaum machen dürfte. Ein Jahr, in dem ich viele viele neue Leute kennenlernen werde, in dem ich definitiv mehr lerne als in einem MBA Studium, eine steilere Lernkurve hinlege, als in den meisten Jobs.

Und das meine ich nicht nur bezogen auf Wissen und Fähigkeiten. Sondern vor allen Dingen mit Emotionen umzugehen: mit Übermut, Niedergeschlagenheit, Ängste zu überwinden, auch mal schwierige Entscheidungen zu treffen, sich stetig selbst zu motivieren. Schon in den letzten Monaten unternehmerisch tätig sein habe ich gemerkt, dass man verdammt viel eben gerade mit Emotionen umzugehen lernt. Denn die Entscheidungen die man im eigenen Start Up trifft haben natürlich eine viel direktere Wirkung auf einen selbst. Man muss lernen, dass Ups schön sind, aber in dieser Stimmung keine übermutigen Bullshit Entscheidungen treffen, nur weil man jetzt denkt die Welt erobern zu können. Man muss lernen dass Downs immer wieder kommen, man alles hinwerfen will, dass man bei Downs sagt: Shit, aber wir müssen das Beste draus machen, lass weitermachen.

Selbst wenn also alles schief geht und wir nach einem Jahr doch kein Erfolg haben und ich dann zu dem Entschluss komme, doch lieber angestellt zu arbeiten, bin ich der festen Überzeugung, dass mir diese Zeit persönlich viel gebracht hat. Ich werde das Wissen, die Fertigkeiten und (emotionale) Erfahrungen ins nächste Projekt einbringen können und vielleicht habe ich auch wieder Lust das als Angestellter zu tun. Ich glaube eher, dass ich dann erst Lunte gerochen habe und dann am nächsten StartUp arbeite oder in einem anderen anfange. Aber: Who knows…

A ship is safe in harbour, but that‘s not what ships are made for.

Ich werde sicherlich das ein oder andere mal meine alte Arbeit und vor allen Dingen die alten Kollegen vermissen. Ich habe wirklich klasse Freundschaften aufbauen dürfen, viele schöne Momente erleben dürfen und einfach die Gemeinschaft genossen. Viele von ihnen, will ich unbedingt nicht aus den Augen verlieren, denn ich bin ja nicht aus der Welt. Meiner Arbeit habe ich vieles zu verdanken und wer weiss: Man sieht sich immer 2 mal :-)

Jetzt schaue ich aber erstmal erwartungsvoll nach vorne und freue mich auf einen neuen spannenden Lebensabschnitt!

 

2015

Sunday, 22 February 2015

„Je traivail pour acheter une voiture. J’achète ma voiture pour aller travailler“

Warum arbeiten wir? Warum arbeitest Du? Es lohnt sich einmal über den Gedanken eines regelmäßigen Einkommens hinaus, nachzudenken, warum wir eigentlich – Tag für Tag – arbeiten.

Arbeitszeit ist Lebenszeit

Immerhin verbringen wir einen Großteil unseres Lebens mit Arbeiten. Wir arbeiten mehr, als wir Zeit im „Urlaub“ verbringen. Wir verbringen mehr Zeit mit Arbeitskollegen, als mit Freunden. Arbeitszeit ist Lebenszeit. Arbeit prägt einen, bestimmt mit welchen Leuten man zu tun hat, mit welchen Themen man sich befasst, bestimmt auch einen Großteil darüber, wie glücklich unser Leben verläuft. Es ist eines der wichtigsten Lebensbereiche. Umso wichtiger ist die Entscheidung darüber, was wir arbeiten und wie wir arbeiten.

„Scheiß Montag“

Wenn ich mich umhöre was Arbeit für viele bedeutet, so bedeutet Arbeit für viele Mittel zum Zweck. Muss halt gemacht werden, um Geld zu verdienen. Das eigentliche Leben beginnt danach. Nach der Stempeluhr. Am Wochenende. „Scheiß Montag, da gehts wieder arbeiten.“ Arbeit wird vom eigentlichen Leben getrennt. Deshalb gibt es die Kategorie „Arbeit“. Das ist der Teil, der fremdbestimmt ist, der den man tun muss, um zu Leben. Die Agenda schreiben hier andere.

Und es gibt die Kategorie „Leben“. Hier ist man frei (= Freizeit), hier hat man den Spaß, hier darf man tun und lassen was man will. Hier schreibt keiner einem was vor.

Diese Trennung verstehe ich nicht und ergibt für mich keinen Sinn. Warum sollten man einen so wichtigen Teil des Lebens so betrachten, als sei es kein Bestandteil davon? Warum sollte jeder Montag in unserem Leben ein schlechterer Tag sein, als die anderen Wochentage?

„Mondays aren’t so bad, it’s your job that sucks!“

Ich finde, Arbeit sollte nicht im Konflikt mit dem Leben stehen und daher in eine Balance gebracht werden müssen (Work-Life-Balance), sondern in Harmonie gebracht werden. Arbeit muss zu einem passen. Sie muss für einen Sinn ergeben. Muss mit eigenen Werten übereinstimmen, mit eigenen Wünschen und Träumen. So lebt man authentisch und verbringt sein Leben mit den eigenen Themen – nicht denen anderer.

Was willst Du überhaupt?

Um eine Harmonie zwischen dem eigenen Leben und der Arbeit herzustellen, muss man natürlich erstmal wissen, was man vom Leben will. Was machen wir gerne? Woraus soll unser Leben bestehen? Was ist das Motto unseres Lebens und wie sollte daher unsere Arbeit aussehen? Es geht darum, erst einmal herauszufinden, wie man tickt, was einem wichtig ist, was die Werte und Motivatoren sind, die einen antreiben. Erst dann kann man die Suche nach der richtigen Arbeit angehen.

Sehr erhellend finde ich die Frage, was wir machen würden, wenn Geld keine Rolle spielen würde. Wie sähe unser Leben, unsere Arbeit dann aus? Wie würden wir unseren Tag dann gestalten? Was wäre, wenn es keine Rolle spielt, was andere von einem denken, sei es Familie, seien es Freunde oder die Gesellschaft? Was würden wir dann tun?

Wenn ich diese Überlegungen mit anderen anstellen, kommen häufig höchst interessante Lebensentwürfe heraus, die meist nur wenig mit dem eigentlichen Leben dieser Person zusammenhängt. Ein häufiger Grund die Überlegungen bzw. diese Lebensträume nicht zu verfolgen, dass sei zu naiv oder gar nicht möglich. Ich bin der festen Überzeugung: „Es ist nicht naiv zu glauben, man können tun, was man liebt. Es ist naiv zu glauben, es würde uns retten, es nicht zu tun.“ (Catharina Bruns aus „Work is not a job“)

Gute Literatur oder weiterführende Infos hierzu:
– Work is not a job – Catharina Bruns
– Hört auf zu arbeiten – Anja Förster, Peter Kreuz
What if money was no object?